Einbettung in Zinslandschaft

 

Stellen Sie sich vor, Sie hätten ein Unternehmen als GmbH mit einer

Privateinlage von 100.000 Euro gegründet und würden nach Steuern

einen konstanten, jährlich anfallenden Gewinn von beispielsweise

6.000 Euro erwirtschaften. Eine Fremdverschuldung sei bei dieser von

Ihnen gegründeten GmbH nicht vorhanden. Die Eigenkapitalquote läge

bei 100 % und damit wäre die Eigenkapitalquote auch gleichzeitig die

Bilanzsumme. Nehmen wir an, Sie hätten das Unternehmen bereits 1980

gegründet und das Unternehmen besteht mit den vorgenannten

Parametern ununterbrochen bis zum heutigen Tag. Sämtliche Gewinne

würden jedes Jahr vollständig ausgeschüttet, so dass auch die

Bilanzsumme konstant bei 100.000 Euro liegen würde.

Ich weiss noch, dass es in den 80´er Jahren des 20. Jahrhunderts

für ein über mehrere Jahre festgelegtes Sparbuch 6% bis 8 % an Zinsen

gegeben hatte. In einer sicheren Anlageform. Zum Vergleich: Heute

(Ende 2011) erhält der Sparer in vermeintlich sicheren Bundesanleihen

circa 2 % an Zinsen aufs Jahr gerechnet. Nun dürfte allein beim Vergleich

der Zinslandschaft damals und heute klar werden, dass die vorgenannten

Parameter des Unternehmens eine andere Unternehmensbewertung nach

sich ziehen müssen, da es nicht egal ist, ob 6.000 Euro mit einem

Kapitaleinsatz von 100.000 Euro erzielt werden in einer Zinslandschaft

von vielleicht 8 % gegenüber einer Zinslandschaft von rund 2 %.

Aus diesem Grunde ist es unbedingt notwendig, den Unternehmensgewinn

in den direkten Vergleich mit den am Kapitalmarkt vorherrschenden

"sicher erzielbaren Zinsen" zu stellen.

Überlegen Sie mal, ob im viel beachteten KGV oder im viel beachteten

KBV irgendwo die Zinslandschaft mit integriert wird. Die Antwort ist

"Nein". Schon alleine diese Überlegung zeigt die begrenzte Aussagekraft

des KGV oder des KBV auf.

Zu diesem Thema (Einbettung von "Ergebnissen" in die

bestehende Zinslandschaft) ein weiteres Beispiel:

 

Stellen Sie sich vor, 2 Sparer treffen sich. Heute (Ende 2011) und

in den 80´er Jahren des 20. Jahrhunderts. Sparer A teilt Sparer B

mit, dass er 4 % an Zinsen von seiner Bank über mehrere Jahre

erhält, und zwar "sicher". Die Reaktion von Sparer B wird damals und

heute unterschiedlich sein, weil sich die Zinslandschaft verändert

hat. Heute (Sicher circa 2 % Zinsen oder weniger) wird Sparer B

vermutlich interessiert nachfragen, bei welcher Bank Sparer A das

Geld so gut anlegen konnte.

Damals, als es noch bis zu 8 % an Zinsen gab, wird Sparer B

vermutlich mitleidig lächeln und Sparer A fragen, welche Bank

ihn denn mit lediglich 4 % abgespeist hat.

Sie sehen, nicht nur in der Physik ist alles relativ, sondern auch

in der Finanzwelt. Und dieser Relativität muss ein gutes

Unternehmensbewertungsmodell Rechnung tragen.

 

 

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