Der Unternehmenswert vor dem

Hintergrund einer variablen

Kapitalstruktur

 

Stellen Sie sich vor, Sie würden ein Unternehmen (AG oder GmbH) gründen.

Glücklicherweise wären Sie in der komfortablen Situation, dass Sie Ihr

Unternehmen vollständig mit Eigenkapital ausstatten können und sich den Gang

zu Ihrer Hausbank, verbunden mit der Anfrage nach einem Kredit, ersparen

können.

Dann würde Ihre fiktive Eigenkapitalquote bei 100 % liegen (für eine kurze

Erläuterung bitte hier klicken).

Anders ausgedrückt: Sie würden in Ihrem eigenen Unternehmen Ihr eigenes

Geld nutzen, um damit möglichst einen Gewinn zu erzielen, der über dem

"Gewinn" liegen sollte, den Sie erwirtschaften würden, wenn Sie die gleiche

Summe an Geld am Geldmarkt (zum Beispiel in Anleihen, Zinsen etc.) anlegen.

Und auch möglichst einen Gewinn, der über dem Gewinn der durchschnittlichen

theoretischen Kreditzinsen liegen würde, wenn Sie Ihr Eigenkapital durch

Fremdkapital ersetzen.

Wäre dieser ideale Punkt erreicht, dass die operative Tätigkeit Ihres Unternehmens

mehr an Gewinn einbringt als eine alternative, als sicher geltende Anlage des

Geldes bei einer Bank (und auch mehr als die Kreditzinsen Sie kosten würden),

dann würde Ihr Unternehmen (Steuern bleiben bei der Überlegung zunächst

unberücksichtigt) profitabel arbeiten und Ihr Unternehmen würde ganz grob gesehen

auch seine Kapitalkosten erwirtschaften.

Konservieren wir fiktiv die zuvor vorgestellte Situation. Jetzt käme ein

Unternehmensberater auf Sie zu und würde Ihnen vorschlagen, dass gesamte

Eigenkapital des Unternehmens durch Fremdkapital zu ersetzen. Nehmen wir weiter

an, dass es bei der Finanzierung dieser Idee keine Probleme mit Ihrer Bank

gäbe und dass Sie diesem Vorschlag zustimmen. Dann müssten Sie immer noch

ein Unternehmen besitzen, welches Gewinne erwirtschaftet, selbst wenn das gesamte

Eigenkapital inzwischen durch Fremdkapital ersetzt wäre.

Jetzt schlage ich vor, die beiden Situationen miteinander zu vergleichen und die Frage

zu stellen, ob beide Unternehmen den gleichen Unternehmenswert besitzen, egal

ob Sie nun vollständig mit Eigenkapital oder vollständig mit Fremdkapital

finanziert sind?

Diese Frage lässt sich meiner Meinung nach ganz einfach mit einem "Nein" beantworten.

Natürlich ist das Unternehmen, welches mit 100 % Eigenkapital finanziert ist, wertvoller,

als das gleiche Unternehmen, welches mit 100 % Fremdkapital finanziert ist.

Um dies nachzuvollziehen, müssen wir uns lediglich einen bestimmten Punkt (Finanzzustand)

anschauen. Nämlich den, dass die erwirtschafteten Gewinne des 100 % mit Eigenkapital

finanzierten Unternehmens gerade so hoch seien wie die aktuellen Kreditzinsen für dieses

Unternehmen. Dann nämlich wäre bei dem 100 % fremdfinanzierten Unternehmen kein

Gewinn mehr vorhanden, weil ja sämtlicher Gewinn des 100 % eigenfinanzierten

Unternehmens in die Bedienung der Kreditzinsen fliesst.

Ein Unternehmen jedoch (gemeint ist hier das 100 % fremdfinanzierte Unternehmen),

welches weder Gewinn macht, noch Eigenkapital in seiner Bilanz aufweist, ist unter dem

Status Quo nichts wert.

Dieser Gedankengang ist essentiell. Auch und besonders für das hier zu Grunde

liegende EFKR-Modell. Daher möchte ich die beiden (Grenz-)Situationen noch

einmal näher beleuchten.

 

1. Fall: 100 % Eigenkapital im Unternehmen und Gewinn

 

Das Unternehmen nutzt sein Eigenkapital quasi ohne Zeitlimit, um

damit Gewinne zu erzielen. Es kann als Wert die Gewinne vorweisen

und das Eigenkapital

 

2. Fall: 100 % Fremdkapital im Unternehmen und Gewinn

 

Das Unternehmen nutzt einen ihm zur Verfügung gestellten Kredit, um

damit Gewinne zu erzielen. Doch der Kredit muss irgendwann einmal

zurück bezahlt werden, auch wenn rein theoretisch eine Verlängerung

des Kredits ebenfalls ohne Zeitlimit möglich wäre. Doch das Wesen

von geliehenem Geld ist es nun mal, dass irgendwann die geliehene

Summe an Geld wieder an den "Verleiher" zurückfliessen muss.

Dieses Unternehmen kann, sofern vorhanden, als Wert nur die

erzielten Gewinne vorweisen, aber keinen Vermögenswert an sich,

da es ja zu 100 % fremdfinanziert ist.

 

 

Fazit: Die Berechnung eines Unternehmenswerts muss, neben anderen Faktoren,

auch die Kapitalstruktur des Unternehmens berücksichtigen.

 

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